Auf der Achse Berlin-Palermo wird in Tirol zwischen Kundl/Radfeld und Baumkirchen bis 2011 die rund 40km lange neue Unterinntalbahn erstellt. Dies ist im Zuge des vorhandenen Kapazitätsengpasses aus der Überlagerung des innerösterreichischen Ost-West mit dem internationalen Nord-Süd-Verkehr in diesem Abschnitt, sowie als Vorgriff auf den Brennerbasistunnel notwendig. Etwa 32km dieser neuen Hochleistungsstrecke (max. Geschwindigkeit 250km/h) werden als Tunnel, Wannen, Galerien und Unterflurtrassen erstellt.

Als eines der Hauptbaulose der neuen Unterinntalbahn wird der Tunnelabschnitt H3-4 Münster/Wiesing durch die Arbeitsgemeinschaft der Firmen PORR Tunnelbau GmbH und Max Bög Austria GmbH erstellt. Die ARGE H3-4 erhielt am 7. Februar 2006 von der Brenner Eisenbahn GmbH den Zuschlag für das Los H3-4.

Dieser Streckenabschnitt besteht aus:
- 5.767,5m Hauptvortrieb (Schildbauweise, flüssigkeitsgestütze Ortsbrust, Durchmesser 13,03m)
- Startbaugrube (ca. 822m2 Grundfläche, ca. 30m Tiefe, inkl. 28m Tunnel in offenener Bauweise
- ca. 36m Sprengvortrieb als Lückenschluss zum östlichen Los H2-1
- Zielbauwerk zum westlichen Los H3-6
- 11 Rettungsschächte und -stollen im Abstand von ca. 500m


Abb.1 Übersicht Los H3-4

Nach Herstellung der Startbaugrube und des Lückenschlusses zum Nachbarbaulos H2-1 wurde der Nachläufer der TVM im Startschacht aufgebaut und nach hinten in den Lückenschluss verschoben. Anschließend erfolgte die Montage der eigentlichen TVM. So konnte der Vortrieb mit einer komplett montierten Vortriebseinrichtung am 30. Mai 2007 begonnen werden. Bei den 5.767,5m langen Vortrieb werden u.a. der Inn, Gleise der ÖBB, sowie die Inntalautobahn unterfahren und ca. 770.000m3 Ausbruch bewegt. Dies entspricht einem Ladevolumen von etwa 86.000 4-Achs-LKWs. Bei Erreichen des vorab hergestellten Zielbauwerkes enden die Vortriebsarbeiten. Die 11 Rettungsschächte werden während des Hauptvortriebes fortlaufend abgeteuft. Jeweils im Anschluss fährt eine Rohrvorpressmaschine (Durchmesser 4,83m) die Rettungsstollen in Richtung Haupttunnel auf. Die Anschlüsse der Rettungsstollen an den Haupttunnel erfolgen bergmännisch im Schutze von Dichtblöcken.


Abb.2-3 Schnitte Haupttunnel, Rettungsschacht/Verbindungsstollen

Die für dieses Projekt gefertigte 2.600 Tonnen schwere TVM wird in 18 Monaten die Strecke von Reith nach Wiesing in etwa 30m unter dem Grundwasser auffahren. Der für den Regelvortrieb erforderliche Stützdruck liegt zwischen 0,8 und 3,0 bar. Das Schneidrad ist mit 268 Schälmessern und 68 Rollmeisseln bestückt um die wechselnde Geologie zwischen Sanden, Kiesen, Schluffen und Dichtblöcken beherrschen zu können. Im Durchlaufbetrieb (24h pro Tag, 7 Tage die Woche) sollen Vortriebsleistungen von durchschnittlich über 14m Tunnel pro Arbeitstag realisiert werden. Die Auskleidung des Tunnels erfolgt mittels 2m breiten Stahlbetontübbingen im System von 7 Segmenten und einen konischen Schlussstein.


Abb.4-6 Längsschnitt TVM

Nach Fertigstellung des Vortriebes wird auf diese 50cm dicken Tübbingauskleidung die Sohlkonstruktion aufgebaut, sowie ein Schutzvlies und eine Abdichtungsfolie im Gewölbe angebracht. Als Abschluss wird eine 20cm dicke, bewehrte Brandschutzschale mit Polypropylenfasern betoniert. Somit werden die Tunnelbauarbeiten am Baulos H3-4 bis zum Jahre 2010 abgeschlossen sein.


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